USA Westküste: kurzer Spaß und teures „Vergnügen“

(01.10.2014-22.10.2014)

WASHINGTON
Von Vancouver aus ging es zurück in die USA mit der Hoffnung unseren Aufenthalt um einen Monat verlängern zu können. Einfach nur, damit wir für die Westküste etwas mehr Zeit haben und auf dem Weg nach Mexiko nicht so hetzen müssen. Die Hoffnung wurde uns schnell genommen. Wir sind an einen richtig unfreundlichen und unverständigen Grenzbeamten geraten. Er hat uns das Gefühl gegeben, dass wir nicht willkommen sind und wir noch Glück haben, aufgrund unseres des noch existierenden Restaufenthaltes, überhaupt noch mal in die USA einreisen zu dürfen. Der gute Mann hat das Konzept des Langzeitreisens nicht verstanden und wollte es auch nicht verstehen. Er war der Meinung jeder Mensch dieser Erde hat nichts Besseres zu tun als sich illegal in USA nieder zu lassen. Ja genau, weil wir die Absicht haben, gegen das Gesetzt verstoßen zu wollen, fragen wir ganz brav nach, ob wir um einen Monat verlängern dürfen. Blödmann. Gefilzt wurde Eddie natürlich auch noch und der Beamte ist mit seinem Leibesumfang dabei fast im Gang steckengeblieben. Es war fast soweit, dass ich überhaupt keinen Bock mehr hatte die USA zu bereisen.
Und dann sind wir kurz hintereinander auf ganz tolle Menschen (US-Amerikaner) gestoßen und wir wurden wieder positiv und freundlich gestimmt.

Als erstes trafen wir in Mt. Vernon auf einem Parkplatz auf Eric der gern mehr über Eddie wissen wollte. Nach ein paar Minuten lud er uns ein bei sich auf dem Grundstück zu übernachten. So ein Angebot schlagen wir natürlich nicht aus. Und es hat sich gelohnt. Wir haben einen tollen Abend am Waschmaschinentrommel-Lagerfeuer mit Eric, seinen drei Hunden und seinem Mitbewohner Chat verbracht. Eric baut in Sonderanfertigung Kisten für Motorräder. Coole Teile. Danke Eric für diesen tollen Abend. Ich bin immer noch verliebt in seinen Hund Leo.

Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Seattle. Seattle war ein Muss für uns. Wir hatten uns von unserem Freund D.A. aus W. bei HH ☺ Ersatzteile postlagernd in das Hauptpostamt nach Seattle schicken lassen. Von den Paketen war nach 3 Wochen zwar weit und breit noch nichts in Sicht und auf die Ankunft warten (ein Paket ist jetzt nach zwei Monaten immer noch vermisst) konnten wir auch nicht, also wollten wir im Postamt versuchen eine Weiterleitung zu organisieren. Das eine Paket hing auf dem Weg in die USA und das andere wurde das letzte Mal in New Jersey gescannt.
Es war ein Freitagnachmittag, die Postfiliale war knalle voll und hier trafen wir auf Carl, den Supervisor des Postamts. Carl gehört zu den Menschen, die uns positiv von den Socken gehauen haben. Er sah so gestresst aus und hat uns, obwohl er es nicht musste, sehr geholfen. Als erstes hat er gesagt, dass wir gern am Samstag (eigentlich geschlossen) nochmal vorbeikommen können, vielleicht haben wir ja Glück und es trifft bis dahin ein. Traf es nicht und er hat uns angeboten, sie ohne zusätzliche Kosten und auf schnellstem Wege nach San Diego weiterzuleiten und mich per Mail zu benachrichtigen, wenn er sie wieder auf die Reise schickt. Als wir uns San Diego und unserem verbindlichen Ausreisetermin näherten, waren die Pakete immer noch verschollen. In einer kurzen Mail hab ich Carl gebeten, dass er die Pakete, falls sie jemals wieder auftauchen sollten, bitte zu unserer Freundin nach Wyoming schicken soll. Die kann die zwar überhaupt nicht gebrauchen, aber wenigstens sind sie nicht weg. Bei einem Paket hat es geklappt. Danke Carl! Und Valerie hat nun endlich ein Schiebetürschloss und Fensterkurbeln für einen 609er. Praktisch! Das Mini-Paket mit den Schlüsseln für das Schiebetürschloss ist bis heute weg und wir sind gespannt, wie es damit weiter geht. Falls einer fragt, warum die Schlüssel separat verschickt wurden, möchte ich euch bitten diese Frage D.A. aus W. bei HH zu stellen. Hihi. Der freut sich bestimmt! Nicht nur, dass er sich mit dem Kram rumschlagen muss, jetzt wird er auch noch zusätzlich genervt. Wenn wir nicht wüssten, dass er es versteht, würden wir diese Scherze nicht machen. Albi wir lieben dich!
In Seattle haben wir „auf der Straße“ geschlafen. Was nicht einfach ist, da es in Seattle sehr steil zur Sache geht. Kate, die wir auf Vancouver Island kennengelernt haben, hat uns angeboten bei ihr in der Straße zu verweilen und obwohl sie nicht da war, haben wir auch dieses Angebot sehr gern angenommen. Fortbewegt haben wir uns mit unseren Fahrrädern. Was für ein Spaß, vor allem abwärts.
Diese drei Menschen (Eric, Carl und Kate) haben in kürzester Zeit den total ätzenden Einwanderungsbeamten wieder ausgebügelt. Die Tatsache, dass wir für die komplette Westküste (Washington, Oregon, Kalifornien) nur vier Wochen Zeit hatten, konnten wir jedoch nicht ignorieren und mussten so leider einiges von unserem „Reise-Speiseplan“ streichen.

OREGON
Auf ziemlich direktem Wege ging es an der Küste entlang nach Portland, welches uns mehrfach wärmstens empfohlen wurde. Wir rollten an einem Sonntag in Portland ein. Wenn man aus Hamburg kommt, erwartet man sonntags ein eher gediegenes Stadtleben. Nicht so in Portland. Hier tobt auch an einem Sonntag das Leben. Es gibt einen kunterbunten Markt, an vielen Ecken trällern Straßenmusiker und sogar Tischtennis durften wir auf der Straße spielen. Portland ist echt crazy. Ein Amerikaner, den wir im Zion NP getroffen hatten und eine Weile in HH gelebt hat, meinte Portland ist vergleichbar mit der Schanze. Jo, wir wissen was er meint. Das passt.
Oregons Küste ist wild und wunderschön und wir hätten gern getrödelt. Nächstes Mal. ☺

KALIFORNIEN
Nach so viel Stadtleben wurde es mal wieder Zeit für Natur. Direkt hinter Oregons Grenze gelangt man in den kalifornischen Redwood National Park. Eigentlich sind es mehrere Parks die den Highway 101 säumen. Wir haben uns gleich in den ersten Teil, den Jedediah Smith Redwood Park, verkrümelt, weil es hier eine „kleine“ Straße durch die Redwoods gibt, die wir mit Eddie gern fahren wollten. Das dringende Abraten des Rangers in der Touri-Info haben wir ignoriert. Eddie ist klein genug, dass es nicht verboten ist, also probieren wir es. Die Straße ist super! Man ist wirklich im Wald und fühlt sich neben diesen riesigen Redwoods ganz klein. Selbst Eddie wirkt dort eher wie ein Smart. Zugegeben, die Straße war für amerikanische Verhältnisse klein. Für Europäer ist sie eher normal. Mag sein, dass es in der Hochsaison zu haarigen Situationen bei Gegenverkehr kommen kann, aber davon können wir nichts berichten. Bei uns war es einfach nur schön.

Einen kleinen Umweg wollten wir uns noch gönnen und sind bei Ferndale vom Hwy 101 runter zu Lost Coast. Wow, was für eine Strecke! Rauf, runter, links und rechts und atemberaubend und – schon mal ein kleiner Hinweis – auf jeden Fall nicht gut für die Bremsen. Wir haben einen einfachen BLM Campground gefunden und dort auch gute Freunde. Hier haben wir Kim und Nathan aus Kanada mit ihrem T3-Bulli „Marv“ getroffen und einen perfekten Lagerfeuerabend verbracht. Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege wieder. Sie wollten noch ein paar Tage in Shelter Cove bleiben und uns trieb die bevorstehende Ausreise weiter. Als erstes mussten wir erst mal wieder auf den Hwy 101 kraxeln. Komisch, irgendwie schüttelt sich Eddie beim Bremsen immer so. Bisher war es immer nur ein bisschen, aber mittlerweile war es schon dem Shaker vom Dom ähnlich. Nicht gut. Die Vernunft hat gesiegt. Anstatt wie geplant auf dem kurvigen Hwy 1 weiter zu fahren, sind wir auf dem 101 geblieben und haben uns auf die Suche nach einer  Werkstatt gemacht. In den winzigen Orten, die wir zunächst durchquerten, konnte man uns mit unserem Sonderling Eddie nicht helfen. Ganz vorsichtig und sanft bremsend haben wir es bis nach Santa Rosa geschafft. Hatte ich erwähnt, das wir bis dato kein funktionierendes Handy für USA hatten? Immer noch super, wenn man in Schwierigkeiten steckt. Gelogen! Unsere Internetrecherche hatte uns hier zu einer Werkstatt für Mercedes Fahrzeuge geführt und wir haben inständig gehofft, dass man uns hier helfen kann. Wir wurden erhört.
Richard, der Besitzer der Werkstatt hat sich bereit erklärt uns zu helfen. Unsere Vermutung, dass unsere Bremsscheiben im Ar… sind hat sich bestätigt. Auf einen Freitagnachmittag wurden neue Bremsscheiben, Bremsbeläge und zugehörige Kleinteile bei Mercedes in Deutschland bestellt. Nach unseren bisherigen Paketerfahrungen waren wir etwas nervös, wann die wohl eintreffen würden. Richard meinte normalerweise schafft Mercedes das in einer Woche. Bitte, bitte Mercedes lass uns nicht im Stich. Irgendetwas muss es für sich haben, wenn du schon so teuer bist. Eine Woche können wir gerade noch so verknusen, wenn wir weitere Abstecher vom Reiseplan streichen.
Warten war angesagt. Der einzige einigermaßen zentrale und bezahlbare Campground war ein Schotterplatz ohne Wifi, aber mit Duschen. Immerhin.

Obwohl wir tief in die Tasche greifen müssen um diese Reparatur zu finanzieren, haben wir uns für einen Tag einen kleinen Mietwagen genommen um nach San Francisco zu fahren. Santa Rosa ist nicht weit weg und bevor wir nun auch noch San Francisco streichen müssen, haben wir diese Investition auch noch getätigt. Holger war noch nie da, also nichts wie hin. Ich war vor vielen Jahren mit meiner Freundin Regina dort und genau wie damals hat sich SF in Nebel gehüllt. Gehört für mich jetzt so. Das Fahren durch SF hat mit dem Mietwagen (Automatik) echt Spaß gemacht. Mit Eddie wäre es eine Tortur geworden und hätte wahrscheinlich auch noch die Kupplung zerschmort. Um wieder etwas Geld einzusparen, haben wir dann nach der Spätabgabe des Wagens bei der Autovermietung auf dem Parkplatz genächtigt und sind morgens ganz früh vom Hof, bevor die Angestellten eintrudeln. Ging gut. ☺

Wieder war warten angesagt. Holger und ich haben uns in dieser Woche viel bei freien Wifi-Spots (McDonalds und so) herumgetrieben und versucht alles zu dem Thema Bremsscheibenwechsel zu lernen. Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass wir es aus Zeitgründen selber machen müssen, weil die Werkstatt voll ist oder die Teile zu spät kommen. Wir wollen gern viel selber machen, aber Bremsscheiben sind gleich so ein lebenswichtiges Teil und der uns fehlende Drehmomentschlüssel macht die Sache nicht besser. Wenn es sein muss, dann ja, sonst gern beim ersten Mal lieber nur helfen und zugucken. Die Wartewoche näherte sich dem Ende, der Freitag rückte immer näher. Freitagvormittag sind wir bei Richard wieder vorstellig geworden und er hat uns bestätigt, dass die Teile da sind! YES! Steine fallen vom Herzen. Nächste Hürde: Richards Werkstatt ist voll und es ist Freitag. Welche Werkstatt macht das Unmögliche möglich?
http://www.europeansales.com
Richard konnte Greg (seinen Kfz-Mechaniker) überzeugen Überstunden zu machen. Wir durften die ganze Zeit dabei sein und haben viel gelernt. Nächstes Mal (hoffentlich in sehr ferner Zukunft) können wir das selber.
THANK YOU RICHARD AND THANK YOU GREG FOR BRINGING US BACK ON THE ROAD!
Die Werkstatt ist eher klein, spezialisiert auf Mercedes und wenn das Fahrzeug in die Halle passt (zur Not auch nur halb), wird einem hier geholfen. Machen wir nicht oft und in diesem Fall sehr gern: Richard und sein Team von European Sales & Service können wir uneingeschränkt empfehlen!

Nach der Reparatur, also Freitagabend, ging es für uns endlich weiter gen Süden.
Geldsparen war das Motto und so landeten wir mal wieder bei Walmart auf dem Parkplatz. Laut, aber kostenlos. Und weiter geht’s.
Endlich kommen wir mal wieder an die Küste und auf den Hwy 1.
Bei einem Stopp in einem Statepark irgendwo an der Küste und ohne uns verabredet zu haben, treffen wir wieder auf Kim und Nathan. Gibt’s das? Das muss ein Zeichen sein.
Kim und Nathan wollen auch nach Mexiko auf die Baja California. Bis es jedoch soweit ist, hatten die und auch wir jedoch noch so einiges zu erledigen. Versicherung für Mexiko, Einkauf bei Campingworld etc. Unsere Wege trennten sich vorerst wieder, aber diesmal haben wir uns auf einem Campingplatz vor der mexikanischen Grenze verabredet. Gemeinsam soll das Abenteur Mexiko beginnen.

Freut euch auf Mexiko, wir tun es auch.

Ein Gedanke zu „USA Westküste: kurzer Spaß und teures „Vergnügen““

  1. Ja ja ja … Wer den Spott hat :)
    Ich habe es eben mit DHL verschickt, Dauer Halt Länger !!!
    Und mit den Schlüsseln war halt zur Sicherheit, dass ist so wie eine Pin separat aufzubewahren. Also nicht das jemand denkt ich hätte die vergessen mit in das Paket zu packen. Und das Türschlüssel habe ich vorher auch noch auf Fingerabdruckscan umgebaut, daher braucht ihr die Schlüssel gar nicht. So ….

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