Unsere Suche nach dem echten Mexiko geht weiter

Mainland II _ Mexiko Teil III (27.02.2015 – 16.03.2015) Unsere erste Station in den Bergen hat uns zu Hogar Infantil gebracht. Das ist ein Kinderhaus/-heim in Ocozocautla (Chiapas) welches vor etlichen Jahren von einem Amerikaner gegründet wurde. Es beherbergt nicht nur die Kinder und Jugendlichen sondern stellt auch kostenlose Stellplätze für Reisende zur Verfügung. Man darf (online) gern etwas spenden, muss es aber nicht. In unserem Campingbuch stand, dass es bei vielen eine besondere Erfahrung ist dort zu campieren. Ja, das können wir bestätigen. Auch wir hatten eine ganz unterhaltsame Begegnung. Alles wohl gemerkt auf Spanisch und mit Händen und Füssen. Bei uns kamen zwei süße Jungs vorbei und fragten uns, ob wir einen Apple Computer hätten. Ja, haben wir. Ob wir ihnen bei einem Update für ihr iphone helfen könnten? Ja, im Prinzip schon. Man möchte natürlich gern helfen, also habe ich – was ich sonst wohl eher nicht machen würde - meinen Rechner mit dem iphone der Jungs verbunden. Wie sich bereits nach kurzer Zeit herausstellte, kannten sie aber weder den Code für die Tastensperre noch wussten sie einen passenden iTunes Account dazu. Das ja ein blöder Zufall. Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass wir den beiden beim „plattmachen“ des Handys mit unseren doch eher spärlichen bis nicht vorhandenen Hacker-Kenntnissen nicht helfen konnten. So einfach macht Apple es einem dann doch nicht mit gefundenen iphones. Wir gehen mal ganz stark davon aus, dass sie es gefunden haben. Auf dem Weg nach San Cristobal de la Casas haben wir einen kleinen Abstecher in den Sumidero Canyon gemacht. Es gibt dort, gegen kleines Geld, eine Fahrt entlang des Canyons mit fünf Aussichtspunkten. Der Canyon war ganz nett. Für uns allerdings nicht genug Abenteuer und so haben wir uns selbst noch ein bisschen Action gemacht. Wie? Ganz einfach. Beim dritten Stopp den Schlüssel im Zündschloss stecken lassen, Knopf runterdrücken und Tür zu knallen. Juhu! Ist nicht das erste Mal passiert und wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Der weise Mann plant voraus. In San Cristobal haben wir einen urigen Campingplatz gefunden, der uns irgendwie an einen Waldspielplatz erinnert hat und es gab herrlich warme Duschen. Oben in den Bergen ist es doch merklich kühler und so eine warme Dusche ist auch mal wieder was feines. San Cristobal ist ein buntes und abwechslungsreiches Örtchen. Reisende aller Nationen mischen sich mit der indigenen Landbevölkerung und deutlich betuchteren Mexikaner. Durch die grünen Berge ging es zu den Cascades de Agua Azul. Um dorthin zu gelangen muss man eine Art Wegzoll bezahlen. Die Eigentümer des Landes sind sich nicht einig mit der mexikanischen Regierung und mit dem eingenommen Geld finanzieren sie ihrem Kampf gegen selbige. So haben wir es zumindest verstanden. Das hat nichts mit dem Eintrittspreis für die Wasserfälle zu tun, der kommt noch on top, ist aber angemessen. Die Wasserfälle sind wirklich ein Augenschmaus und man darf sogar drin baden. Chiapas ist eines der ärmsten Regionen in Mexiko und auf dem Weg durch die Berge wurden wir häufig von einfachen Seil-Straßensperren durch Kinder und Frauen angehalten. Einmal haben sich die kleinen Würmchen sogar an unser Auto gehängt und verzweifelt gebettelt. Wie ist hier die richtige Vorgehensweise? Gibt man den bettelnden Kindern Geld und/oder Bonbons? Hilft man damit oder ermutigt man sie dadurch einfach nur damit weiter zu machen? Oder gibt man nichts und ist der herzlose, reiche Tourist, der sich nur der Schönheit des Landes widmet? Wie geht man hier vor? Wenn ihr es wisst, bitte verratet es uns. Wir sind hin und her gerissen und geben lieber was zu essen als Geld, aber auch wir mit Wohnmobil haben nicht immer 30 Brötchen dabei. Endlich standen unsere ersten Maya Tempel auf dem Programm. Palenque ist echt beeindruckend. Die Lage im saftig grünen Dschungel mit hauseigenem Wasserfall im unteren Bereich der Anlage und der Möglichkeit die Tempel zu besteigen, macht es echt besonders. Wir stellen fest, die Mayas müssen echt gern Treppen gestiegen sein. Es waren recht viele europäische Touristen vor Ort und wir können es ihnen nicht verdenken. Zu unserem Campingplatz gehörte ein Hotel und ein guter Swimmingpool. Holger hat seine erste lange Schwimmeinheit seit ewig durchgezogen (Respekt!) und die benachbarten Brüllaffen haben ihn tatkräftig angefeuert. Wir verlassen die Berge und den Dschungel und machen uns auf in Richtung Yucatan Halbinsel. Wir überqueren die Grenze zum Staat Campeche und hier werden wir tatsächlich das erste Mal nach unseren Reisepässen inkl. Touristenkarte gefragt. Die sind natürlich nicht vorn griffbereit, sondern hinten im Wagen in einem unserer Geheimverstecke. Holger schnallte sich ab um sie aus den Untiefen des Wagens zu bergen. Selbstverständlich ist alles in Ordnung mit unseren Pässen und wir dürfen weiterfahren. 10 Meter weiter werden wir wieder angehalten. Warum? Weil Holger (Mister ich bin immer angeschnallt meistens schon bevor er hinterm Steuer sitzt) nicht angeschnallt ist. Shit! Sie haben Recht. Und nun? Wir sollen ein Ticket bekommen und 1.500 Pesos bezahlen. Mist, Mist, Mist! Wie erkläre ich auf Spanisch, dass er sich nur für die Kontrolle abgeschnallt hatte? Der Mann war ruhig und freundlich, aber wollte sich nicht erweichen lassen. Und dann hatte ich einen Geistesblitz! Wir haben mal von Bea und Toffe aus der Schweiz ein Antikorruptions-Dokument bekommen. Danke ihr beiden! Dieses Formular muss vom Beamten ausgefüllt werden und er muss seinen Namen, seine Dienstnummer etc. preisgeben. Er war ja grundsätzlich im Recht, also waren wir uns nicht sicher, ob wir damit wirklich weiterkommen, aber wir dachten uns, wenn wir schon so viel bezahlen sollen, dann muss er auch was dafür tun. Er nahm das Dokument, las die ersten Zeilen und was er zu tun hat, guckte uns ans, gab das Dokument zurück und teilte uns mit: "No ticket!" Puh, noch mal Schwein gehabt. Von anderen Reisenden hatten wir den Tipp bekommen in Isla Aguada Halt zu machen. Für uns war es nur ein kleiner Umweg, also haben wir ihn natürlich gemacht. Seit längerem haben wir mal wieder den Golf von Mexiko zu Gesicht bekommen und wieder mussten wir feststellen, dass er immer wieder hübsch anzusehen ist. Es war ein bisschen wie: Alter Kumpel, long time no see! Der Campingplatz war super nur leider etwas teuer und so trieb es uns schnell weiter. Und schnell stimmt diesmal sogar wirklich, denn die Straßen hier sind ein Traum. Flach, breit und mit nur wenigen der verhassten Topes. Yeah! Campeche am Golf von Mexiko wurde von uns als nächstes angesteuert. Bevor wir uns dem historischen Kern widmen, wollten wir unsere Bleibe für die Nacht finden. Wir hatten drei Tipps für Stellplätze und die haben wir der Reihe nach abgearbeitet. Platz eins war weit außerhalb der Stadt und hat definitiv bessere Zeiten gesehen. Es war irgendwann bestimmt mal ein sehr ansehnlicher Club Nautico, aber die Zeit hat ihren Tribut gezollt. Als nächstes ging es mitten in die Stadt. Durch enge Gassen und nach ein paar Umleitungen aufgrund von Baustellen landeten wir bei einer alten Dame mit vielen Hunden, Hühnern usw. Selbst wenn wir es in ihren Garten mit Eddie geschafft hätten, die Einfahrt war winzig, verwinkelt und steil, so hat uns doch der Geruch abgeschreckt. Das nächste Ziel war am anderen Ende der Stadt und unserer altes TomTom Navi hat uns mal wieder viel Freude bereitet. Jeder weiß, die Yucatan Halbinsel ist flach. Hört man immer wieder und auch wir haben nichts anderes erwartet. Wie so oft wurden wir eines besseren belehrt. Mitten in der Stadt tat sich der steilste Berg den wir je mit Eddie gefahren sind auf. Er war nur kurz, aber so steil, dass wir selbst in unserem Berggang es nur mit Ach und Krach heraufgeschafft haben. Holger ist gefahren und dachte wirklich, gleich rollen wir einfach rückwärts wieder runter. Laut war’s, aber wir haben es geschafft. Es gab noch einige baustellenbedingte Straßensperrungen ohne Umleitungsempfehlungen zu überwinden und so es hat ein bisschen gedauert, bis wir aus diesem Teil der Stadt wieder heraus waren. Schlussendlich sind wir in der Nähe des Schwimmbades bei einem Hotel gelandet. Die uns zur Verfügung gestellten Toiletten bzw. Duschen waren wieder mal ein originelles Highlight. Die einzige Dusche war im Männerklo und so niedrig angebracht, dass ich (Carmen) nur leicht gekniet duschen konnte und das ganze mal wieder ohne Vorhang. Mit dem Resultat, dass ich das ganze Männerklo unter Wasser gesetzt habe. Sorry, ging nicht anders. Ins Zentrum von Campeche sind wir dann mit dem Bus gefahren und haben es gemütlich schlendernd erkundet. Weiter ging es mit unserem Maya Programm. Uxmal war als nächstes dran. Hier hat uns besonders die Ruhe gefallen. Die wenigen Besucher die da waren, haben sich perfekt verteilt. Auch hier konnte man auf viele Tempel steigen und ganz gemütlich verweilen. Es war echt cool ganz allein auf den Tempeln zu sitzen und sich vorzustellen, was die Mayas hier so getrieben haben. Sehr mystisch und spirituell. Der Eintrittspreis war im Vergleich zu Palenque recht happig, aber wann ist man schon mal hier? Direkt davor konnte man für kleines Geld die ganze Nacht parken und da wir gern die abendliche Sound- und Lightshow sehen wollten, bot sich das natürlich an. Zumindest bis es kurz vorher anfing wie aus Eimern zu schütten. Ok, so dringend wollen wir die Show dann doch nicht sehen. Wir sind Regen einfach nicht mehr gewohnt. Am nächsten Morgen ging es weiter zum nächsten Maya Highlight. Chichen-Itza. Jeder Reiseführer weist einen schon im Vorfeld daraufhin, dass es dort nur so von Touris wimmelt. Stimmt. Und dass es sich trotzdem lohnt. Stimmt. Die Bauwerke sind beeindruckend, groß und sehr gut erhalten bzw. restauriert. Leider darf man keinen einzigen begehen oder besteigen. Ein bisschen nervig fand ich die tausend Verkäufer mit immer dem selben Schnickschnack. Ja, ich weiß, die verdienen damit ihren Lebensunterhalt und deshalb bin ich immer bemüht freundlich zu bleiben. Wenn man allerdings nie in Ruhe stehen, gehen und Tempel bestaunen kann, was der eigentliche Plan war, dann wird es hart. Ich möchte wirklich keine Jaguar-Gebrüll-Pfeife oder ähnliches kaufen. Wirklich. Es waren einfach zu viele Stände und fliegende Händler vor Ort. Die Relation stimmte nicht mehr. Der Eintrittspreis hat sich noch mal gesteigert, aber wann ist man schon mal hier? Die Anlage an sich ist trotzdem jeden Cent wert. Für unseren nächsten Stellplatz haben wir ein Hotel mit Cenote angesteuert. Nein, wir haben nicht im Hotel genächtigt, daneben natürlich in unserem kleinen grünen Brummer. Die Yucatan Halbinsel ist von tausenden Höhlen mit klarem Grundwasser unterhöhlt. Also durfte natürlich auch bei uns eine Cenote nicht fehlen. „Unsere“ Cenote war hübsch anzusehen. Es schwammen Wels ähnliche Fische darin herum, die, wenn man länger an einer Stelle verharrt, gern an den Füßen knabberten. Das ja nicht so meins und ein Bad in dem kalten klaren Wasser kam für mich nicht mehr in Frage. Es gibt viele verschiedene Cenoten, mit und ohne Wurzeln die von oben herunterhängen, mit vielen oder wenig Lichtlöchern von oben, kleine und große und so weiter und so fort. Wir sind keine Freunde von Höhlen. Es ist nicht so, dass es uns Angst macht oder so, es macht uns einfach nicht an. Wahre Cenote-Fans können sich hier nach Lust und Laune austoben, uns hat eine gereicht. Jeder wie er mag, nicht wahr. Puh, nach so viel Kultur muss man sich erst einmal wieder erholen. Wieder durch einen Tipp von Reisekumpels sind wir an der Playa Xpu-Ha gelandet. Man war das ein traumhafter Parkplatz direkt am schneeweißen Karibikstrand. Nicht ganz billig, aber nach Verhandlung (unser spanisch wird immer besser) konnten wir dann eine Nacht kostenlos stehen und unterm Strich war es jeden Penny wert. Um die „Fab 4“ zu vervollständigen fehlt uns natürlich noch Tulum. Die Maya Stätte Tulum beeindruckt durch seine Lage. Die Überreste der Anlage sind im Vergleich zu den anderen eher klein und bescheiden, aber mit der türkisblauen Karibik im Hintergrund ein echter Hingucker. Machen wir uns nichts vor, auch hier ist es total überlaufen. Es ist fast unmöglich ein gutes Bild (Motiv) ohne fremde Menschen darauf zu erhaschen. Wir haben nun folglich viele Fotos von und mit fremden Menschen. Falls einer Interesse hat, meldet euch bei uns. Wir wären bereit die Bilder kostengünstig abzugeben. Wir Nähern uns der Grenze zu Belize. Heute ist allerdings Sonntag und da ist eine Grenzüberquerung nach Belize für uns unmöglich. Für Belize wird eine Kfz-Versicherung benötigt, die man an der Grenze kaufen kann/muss und die haben sonntags zu. Kurz vor der Grenze machen wir also noch mal Station in Chetumal, decken uns bis unter die Hutschnur mit Vorräten ein (Belize ist im Vergleich zu Mexiko sehr teuer), vermeiden dabei allerdings frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch, da es wie bei fast jeder Grenze verboten ist. Da wir jetzt vorerst am Ende unseres Aufenthaltes in Mexiko angekommen sind, lassen wir unsere Zeit hier noch einmal Revue passieren und grübeln weiter, was denn nun Mexiko echt bzw. unecht macht. Auf der Baja California haben wir so oft zu hören bekommen, das hier ist nicht das echte Mexiko, das seht ihr wenn ihr aufs Mainland geht. Wir haben bei weitem (noch) nicht alles von Mexiko gesehen, aber wir wissen jetzt schon, dass es für uns kein echtes und unechtes Mexiko gibt. Mexiko ist vielfältig, abwechslungsreich und großartig. Die Kakteenwüste und Strände der Baja, die atemberaubenden Barrancas del Cobre, die wunderschöne Pazifikküste, die beeindruckende Maya Kultur auf der Yucatan Halbinsel, die Berge, Dschungel und Wasserfälle dazwischen, um nur ein paar der Highlights zu nennen, sind alle echt. Wir haben auch oft zu hören bekommen, im vermeintlich echten Mexiko spricht man kein englisch mehr. Stimmt auch nur bedingt. Sobald das Gebiet etwas mehr von Touris besucht wird, gibt es viele, die englisch sprechen. Und wenn nicht, sind die Mexikaner immer bemüht unser haarsträubendes Spanisch zu deuten. Also allein die Sprache kann es auch nicht sein. Wir sind zu dem Schluss gekommen: Alles echt, kein Fake. 🙂 Wir hatten hier eine großartige Zeit und kommen bestimmt noch mal wieder. Adios y hasta pronto Mexico. Belize hold tight, we are coming! PS: Das Hochladen der dazugehörigen Bilder gestaltet sich mal wieder äußerst zäh. Wir halten euch auf dem Laufenden, wenn es vollbracht ist.

5 thoughts on “Unsere Suche nach dem echten Mexiko geht weiter”

  1. …ich dachte damals es wäre nicht so schön, im mexikanischen Gefängnis zu landen, weil die 300m-Schlange auf der Sonnen/Mondpyramide ein kleiner dicker amerikanischer Junge dieses Brüllding hatte und ich ihn runter werfe :)))

    1. Hahahaha! Der Zutritt auf alle Pyramiden in Chicen-Itza ist mittlerweile verboten. Wir haben verschiedene Begründungen gehört, a) weil es zu viele Besucher sind und alles zu stark abgenutzt wird und b) weil wohl ein Kind herunter gestürzt ist. Bist du dir ganz sicher, das du mit b) nichts zu tun hattest? 😉
      Jaguar-Gebrüllllllllll! Kizz

  2. Meine lieben Moglis.
    es gibt ganz viele Möglichkeiten in den Himmel zu kommen.
    Es müssen nicht immer die Maya – Tempel sein.
    Liebe allein genügt.
    liebe grüße Mogli 1

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