NEW ORLEANS IST WOW!

NEW ORLEANS, Louisiana

Es ist nicht einfach dieser Stadt mit Worten gerecht zu werden. Ich suche noch die richtigen Vokabeln und den Anfang.
Vielleicht so: New Orleans ist crazy schön und beautiful verrückt.
Zu einfach, es muss noch irgendwie komplexer werden.
Ok, dann jetzt mal von vorn.
Wir sind an einem Mittwoch Nachmittag in New Orleans LouisiAna (in Fachkreisen auch NOLA genannt) auf dem Campingplatz eingerollt. Ankommen, orientieren, relaxen und den nächsten (großen) Tag planen.
Die Frage aller Fragen: Wo guckt man Deutschland vs. USA?
Unsere Internet-Recherche hat uns einen fussi-verrückten Irish Pub in Mid City als Nr. 1 gelistet und an zweiter Stelle einen etwas gediegeneren Irish Pub, nicht all zu weit entfernt von den Hauptattraktionen (French Quarter etc.), aufgeführt. Unser Favorit ist ja wohl klar.
Der Campground hat einen kostenlosen Shuttleservice in die City (kleine Sightseeing-Tour inklusive) angeboten und den wollten wir auf jeden Fall nutzen. Klar haben wir die dann auch gefragt, wie man vom Shuttle-Ankunftspunkt nach Mid City zum Pub kommt. Der Mann an der Camping-Rezeption hat es geschafft uns den ersten Pub auszureden. Seine Hauptargumente: Vier Morde in einer Woche und die Menschen in New Orleans wären außerhalb der Touri-Ecken unfreundlich. Mid City ist eine reine Wohngegend der Einheimischen. Uns hat mehr die Zeit- und Transportlogistik in einer fremden Stadt überzeugt. Das Spiel wurde hier um 11.00 Uhr vormittags übertragen (Prost!) und der Shuttle kommt erst gegen 10.00 Uhr in der City an. Die Wahrscheinlichkeit es dann noch rechtzeitig zum Spiel nach Mid City zu schaffen war uns zu gering und so haben wir uns für die Nr. 2 entschieden. Wir wurden dann sogar direkt vorm zweiten Pub abgesetzt. Wahrscheinlich, damit wir auch ja nicht noch auf dumme Ideen kommen. Kennen die uns schon länger? 😉
Wir kommen aus einer großen „gefährlichen“ Stadt und uns haben die Argumente vom Camping-Mann nicht wirklich überzeugt. Trotzdem bleibt unterschwellig ein Rest Unsicherheit und die Frage, sind die Leute aus NOLA wirklich so unfreundlich?
Vorgefunden haben wir im Irish House Kimberly und Michael (Einheimische aus New Orleans), die unglaublich nett und großzügig waren. Wir haben auch nach dem Spiel noch länger zusammen gesessen und über Gott und die Welt gequatscht. Wir mussten uns hart durchsetzen um auch mal eine Runde Guinness zu spendieren. Als wir schlussendlich unsere Rechnung begleichen wollten, mussten wir mit “Entsetzen“ feststellen, dass sie die schon beglichen hatten. Essen und Getränke, bis auf vier spendierte Guinness. Was?! Wo gibt es denn so etwas? Wir sind immer noch total von den Socken! Auf ihrem Heimweg haben sie uns dann auch nicht umgebracht, sondern sogar noch am French Quarter abgesetzt. Tipps – wohin man als Einheimischer feiern geht – inklusive.
Abends auf den Zwutsch gehen haben wir uns trotzdem für den nächsten Tag aufgespart. Wenn man um 11.00 Uhr schon mit Guinness anfängt, kann man in unserem Alter nicht auch noch die ganze Nacht durchmachen.

To Kimberly and Michael:
Thank you for this incredible day. You made it very special and defined the way we think about your amazing city.
We are really sad that we don’t see you in the finals! We cheered for our second favorite team and we don’t like Belgium anymore.
You were right. Frenchmen is the best!
Really hope to see you in good old Germany!

Freitagabend in New Orleans.
Dafür haben wir den Shuttle um 17.00 Uhr genommen (es gibt nur einen um 9:00 und einen um 17:00 Uhr) und wieder war eine kleine Sightseeing-Tour dabei. Immer eine andere Route damit auch wir – die Stammgäste – uns nicht langweilen. Sehr aufmerksam, lieber Fahrer.
Zur Abwechslung mal wieder hübsch anziehen. So mit Rock, hohen Schuhe und so. Die Schuhwahl bereue ich heute noch, wenn ich die Blutblasen an meinen Füßen sehe. Ist halt hart, wenn man nur noch FlipFlops gewohnt ist. Sorry guys. :-)
Während wir in einem etwas zu feinen (danke lieber Reiseführer) Restaurant unser typisches Südstaaten-Essen verzehrten, fing es derbe an zu regnen. Ja, so ein richtig doller Regen, wie es ihn selten in HH gibt. Nicht so ein harmloser Pieselregen, nee volle Kanne. Mit allen Mitteln haben wir unser Essen in die Länge gezogen und uns dann todesmutig in die Fluten gestürzt. Auf dem Weg zur Frenchmen Street (Empfehlung von Kimberly + Michael) haben wir hier und da mal einen Pit Stop eingelegt um den Wassermassen und unserem Durst zu trotzen.
Irgendwann sind wir tatsächlich in der ersten Musikkneipe in der Frenchmen St. angekommen und es war echt der Hammer. Drei Typen musizieren ganz lässig vor sich hin. Der eine sah aus wie Elwood von den Blues Brothers und hat gesungen und Mundharmonika gespielt. Der andere war ordentlich alt und hat ein Skiffle-Brett gespielt und gesungen. Und der Dritte hatte eine Resonatorgitarre (Ergänzung von Holger!) mit Metallkorpus à la Mark Knopfler. Schön Bierchen trinken, Musik hören und schwoofen. Wie es dort üblich ist, pilgert man von einem Laden zum anderen. Wir also auch. Im nächsten Laden gab es eine richtige Bühne und eine Band mit weiblicher Sängerin hat auch uns bekannte Stücke von sich gegeben. Auch gut.
Hier haben wir Evan und seine Kumpels kennen gelernt. Und das hatte Folgen. Man war das eine wilde Nacht. Eine Bar folgte der nächsten und ein Bier dem anderen. Wer schon mal mit uns gefeiert hat, weiß was wir alles vertragen können. Ein kleiner Jägermeister haut uns nicht um. Habt ihr schon mal in jeder Bar ein Getränk mit Kreditkarte bezahlt? Wir jetzt ja. Evan war mit sechs Kumpels unterwegs, die ursprünglich alle aus Baltimore kommen und den Junggesellenabschied von Mat feierten. Wir haben uns mit ihnen in die Bourbon Street treiben lassen (Frenchmen fanden wir besser, aber hinterher ist man immer schlauer) und haben es erst um 2:00 Uhr nach Hause geschafft. Man waren wir lustig.

To Evan:
We had so much fun. Thanks guys. Hope everybody made it home safe and sound. And that you found someone for the only thing you can say in German. 😉
Let us know if you still remember something and if you still want to meet us in Boulder. Greetings to the other six.

Samstag, der Tag danach.
Wer feiern kann, kann auch seinen letzten Tag in New Orleans nutzen. Der Shuttle um 9:00 am Samstagmorgen war gebucht und die dicken Köpfe mussten nach nur sechs Stunden Schlaf mit. Ein Glück gibt es Kaffee.
Sightseeing-Tour selbstverständlich inklusive. Wir können jetzt mit Gewissheit mehrere Orte nennen, an denen Benjamin Button gepupst hat, wissen wie die Hecke von Sandra Bullocks Haus aussieht und dass das Haus von Brat Pitt grau ist.
Die blutigen Füsse haben uns noch durch die Friedhöfe mit Gräbern von Voodoo-Priesterinnen und anderen Toten, das French Quarter bei Tageslicht und den Mississippi entlang getragen, bis wir nur noch Streetcar (Straßenbahn) fahren konnten. Puh, war das eine Meisterleistung. Am Ende haben wir auf einer Parkbank am Mississippi auf unseren Shuttle gewartet und es war wie im Comic. Gestalten und Szenen wie man sie sich nicht in den wildesten Träumen vorstellen kann, haben sich direkt vor unserer Nase abgespielt. Echt skurril.

Wie kann man also so eine Stadt in Worte fassen? Wir können es nicht.
Wir wissen nur, dass wir tolle Menschen kennengelernt haben.
In einer wildschönen Stadt, die wir mit keiner und bekannten vergleichen können – umzingelt von durchgeknallten Freigeistern – gewesen sind und allen nur den Tipp geben können:
Ganz oder gar nicht. Hier kannst du viel erleben, wenn du dich traust.
Ach ja, umgebracht wurden wir nicht.

 

Kleiner Nachtrag zum Weg nach New Orleans
Auf dem Weg von St. Petersburg (Tampa Bay) nach New Orleans sind wir die Golfküste in Florida entlang gefahren und haben an fünf verschiedenen State Parks Station gemacht. Die Küste, das Meer, die Strände sind schön. Unserer Meinung nach reicht es, wenn man ein oder zwei Plätze/Parks aufsucht. Man muss nicht alle gesehen haben, dafür sind sie sich zu ähnlich. Für uns war es gut, wir konnten unsere Fahreinheiten schön kurz halten. Witzig ist, gerade an der Emerald Coast, wie klein die State Parks teilweise sind und wie sie zwischen Wohn- und Hotelvierteln integriert sind. Pure Natur zwischen Kommerz.

Fotos folgen in Kürze. Müsse (!) jetzt den vierten Juli und den Einzug ins Halbfinale feiern. Prost!

3 thoughts on “NEW ORLEANS IST WOW!”

  1. Hallo Carmen,
    hallo Holger,

    Carmen, dich kenne ich zwar nicht persönlich, aber deine Reiseberichte eurer Erlebnisse sind wunderschön geschrieben und bringen mich zum Schmunzeln. Ich bin jedesmal gespannt womit ihr eure Fangemeinde wieder überrascht. Deine Insektenstich-Tortur hatte mein Mitgefühl so stark angeregt, ich bekam selbst schon Juckenreiz. Ich wünsche euch noch viele schöne Abenteuer und anregende Begegnungen. @ Holger: Ich bin im neuen Job gut angekommen und machmal ist auch das ein kleines Abenteuer. Macht’s gut!

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