GUT, GUaTe, GUaTemala

(29.03.2015-08.04.2015) Unser Grenzübergang nach Guatemala erfolgte an einem Sonntag. Das war uns bewusst und hatte uns kein Kopfzerbrechen bereitet. Grenzen sind ja auch sonntags geöffnet und da wir, im Gegensatz zu Belize, keine Kfz-Versicherung vor Ort kaufen mussten, waren wir uns ziemlich sicher, dass wir problemlos einreisen können. Auf Belizer Seite mussten wir das Auto auf einem Parkplatz abstellen und zu Fuß in das Migrationsgebäude gehen. Dort wurden unsere Pässe gestempelt und die Importpermit für das Auto abgenommen. Wir wurden nur gefragt, wo das Auto wäre, wir sagten auf dem Parkplatz vor dem Gebäude, und das war gut genug für den Beamten. Es wurde nicht kontrolliert, ob wir das Auto wirklich ausführen. Wenn man ein Auto als Touristen-Fahrzeug zeitweilig importiert, zahlt meine keine Import-Steuern und so ist den Ländern sehr daran gelegen, dass die Fahrzeuge das Land wieder verlassen oder eben Steuern darauf gezahlt werden. Unser Wort hat dem Beamten gereicht und auf ging es zur guatemaltekischen Seite. Hier gab es die erste Autodesinfektion die ihrem Namen alle Ehre machte. Wir durften durch eine richtige Sprühstraße ähnlich einer Autowaschanlage fahren. Danach ging es zu Fuß zur Immigration. Als erstes fiel uns der riesige Flachbildschirm an der Wand auf, auf dem Fussi gezeigt wurde. Cordoba gegen weiß ich nicht mehr. Cool. Unser Parkplatzeinweiser geleitete uns bis an den Anfang der langen Schlange. Vordrängeln auf Anweisung und in fünf Minuten fertig. Weiter ging es zum Schalter für Eddie. Hier gab es keine Schlange und wir sind ratzifatzi dran gekommen. Für das Fahrzeug werden diverse Kopien benötigt, z.B. für den Kfz- und Führerscheine, Reisepässe etc. Hatten wir nur teilweise vorrätig. Kein Problem, geht mal um die Ecke, da könnt ihr Kopien machen. Ok. Äh nee, das geht gerade nicht, sonntags ist da geschlossen. Ach wie doof. Und nun? Die Dame am Infoschalter gab mir den Tipp, noch einmal die Herren von der Kfz-Einfuhr zu fragen, ob die die Kopien gegen Bezahlung ausnahmsweise machen könnten. Zurück zum Kfz-Schalter und die Sachlage auf spanisch erläutert. Er hat sich erbarmt und die Kopien gemacht, vielleicht auch nur um mein Grusel-Spanisch nicht mehr hören zu müssen. Er wollte auch partout kein Geld dafür haben. Vielen Dank, das hat unsere sonntägliche Grenzüberquerung gerettet. Die Kfz-Permit muss natürlich trotzdem bezahlt werden, also ab zum nächsten zur-Kasse-bitte-Schalter. Hier mussten wir wieder auf Anweisung vordrängeln. Na gut, machen wir, auch wenn es so langsam etwas unangenehm wird. Nach ca. einer Stunde war alles kopiert, bezahlt, Aufkleber hinter die Scheibe geklebt und ab geht’s. Gleich auf den ersten Kilometern sind wir an einigen heißen Fußballspielen vorbeigekommen. Fußball live bei der Immigration, Fußball live entlang der Straße, ein Land ganz nach unserem Geschmack. Die Maya-Stätte Tikal sollte unser erstes Ziel sein. Viele Quetzal hatten wir an der Grenze nicht getauscht (schlechter Kurs) und so musste als allererstes noch mal eine Bank her. Wir haben einige Reisende getroffen und von noch mehr Reisenden gehört, die Ärger mit ihren Kreditkartenabbuchungen hatten. Das wollen wir sehr gern vermeiden und heben daher nur direkt bei Banken Geld ab und benutzen unsere Karten ansonsten nur im Notfall. Dafür haben wir dann den Umweg über Flores in Kauf genommen und waren total von den Socken. Große Geschäfte, kleine Malls, alles was das Herz begehrt und die Preise waren auch ok. Im Vergleich zu Belize war es wie im Schlaraffenland. Frisch eingedeckt mit Geld und Vorräten ging es nach Tikal. Wir sind hier gegen 15.00 Uhr angekommen und durften feststellen, dass man mit diesem am Nachmittag gekauften Ticket, heute und morgen den ganzen Tag herein darf. Perfekt. Tikal ist riesig! Zum Campen wurde eine Wiese mit eigenem Dusch- und Toilettenhäuschen zur Verfügung gestellt und wir waren einfach nur begeistert, wie einfach es uns Reisenden gemacht wurde. Nachdem wir Eddie einigermaßen gerade abgestellt hatten, ging es mit der Erkundung los. Endlich mal wieder ein bisschen die Beine vertreten. Wir waren an dem Tag bis um 18.30 Uhr in der Anlage unterwegs. Offiziell ist sie nur bis 18.00 Uhr geöffnet und unsere Verlängerung hat niemanden gestört. Herrlich, wenn man zudem gleich nebenan wohnt. Die Tempel sind groß, die Anlage ist riesig und wir haben nebenbei noch richtig viele Tiere gesehen. Affen, Koatymundis (kannten wir bis dato auch nicht), Papageien, Toucans und viele mehr kreuzten unsere Wege. Hammer! Über sanft rollende Hügel ging es nach Rio Dulce. Hier wollten wir einen Übernachtungsstopp einlegen und ggf. nach Livingston mit dem Boot fahren. Geht nur mit dem Boot. Campen wollten wir an der Marina und da sind wir nicht hingekommen. Wir hätten unter der Brücke durchgemusst und bei der für uns passenden Durchfahrtshöhe stand ein Karussell. Die normalen PKWs konnten sich weiter vorn unter der Brück durchschmuggeln und wir wollten unser Dach gern noch etwas behalten. Rio Dulce ist eigentlich nur eine Straße und die war so voll mit Verkaufsständen, dass es echt eng wurde. Und das kam wie aus heiterem Himmel. Man tuckert so vor sich hin und schlagartig ohne Vorwarnung ist alles voll mit Menschen, Fahrzeugen aller Art und Verkaufsständen auch aller Art. Chaos. Was nun? Es fing dann noch an zu regnen und so haben wir kurzer Hand unsere Pläne geändert. Kein Rio Dulce, kein Livingston und stattdessen erst mal einen Platz für die Nacht suchen. Fündig geworden sind wir ca. 40 km hinter Rio Dulce bei den Ruinas de Quirigua. Mit dem Eintritt hatten wir uns einen Parkplatz für die Nacht erkauft. Nachdem was wir so viele großartige Tempel gesehen haben, kam uns Quirigua sehr klein und eher unspektakulär vor. Spannender waren da die Bananenlaster die bis spät abends und bereits im frühen Morgengrauen die Bananen der benachbarten Plantagen abtransportierten. Genaue Beobachtungen haben ergeben, dass alle uns bekannten Marken, wie Dole, DelMonte, Chiquita etc. von der gleichen Plantage abfuhren. Ich kombiniere... alles eine Banane. Unser nächstes Ziel war Antigua Guatemala. Hier wollten wir die Semana Santa (Osterwoche/Karwoche) verbringen. Damit wir es rechtzeitig in den Ort schaffen, haben wir für unsere Verhältnisse ein bisschen Gas gegeben und noch einen guten und kostenlosen Platz bei der Touristenpolizei ergattert. Die Osterprozessionen live zu erleben ist schon etwas besonderes, auch - oder vielleicht gerade - wenn man kein Kirchenmitglied ist. Es ist ein interessantes Spektakel. Von den bunten Blumenteppichen über die fliegenden Händler bis hin zu den eigentlichen Prozessionen zu fast jeder Tages- und Nachtzeit wird einem in Antigua das volle Programm geboten. Die Straßenhändler verkaufen alles. Das Steckenpferd ist genauso vertreten wie der Hornhauthobel, also alles was das Herz begehrt. Die Prozessionen werden von klein und groß und alt und jung mit Inbrunst zelebriert. Und das ganze in der wunderschönen Stadt Antigua. Antigua gefällt uns sehr. Holger und ich hatten mal einen Bericht über die zehn gefährlichsten Wanderwege der Welt gelesen. Unter anderem wurde dort die Wanderung zum Pacaya Vulkan aufgeführt. Eine Wanderung über heiße Lavafelder wurde dort angepriesen. Es klang verlockend und auch wenn uns schon bewusst war, dass der Pacaya nicht gerade gestern ausgebrochen ist, so sollte es dort doch immer noch heiße Lava geben. In Antigua gibt es viele kleine „Reisebüros“ und in einem von denen haben wir dann die Wanderung zum Pacaya gebucht. Früh morgens ging es im Colectivo los. 16 Personen quetschen sich in einen Minibus und freuen sich, wenn sie nach über einer Stunde wieder aussteigen dürfen. In Antigua war das Wetter gut, am Pacaya hat es genieselt. Gut für eine mystische Stimmung. Mit einem Guide ging es dann im Entenmarsch hoch. Durch die noch reichliche Vegetation galt es ein paar Höhenmeter zu meistern. Es ging gruppentechnisch sehr langsam voran. Irgendwann waren wir dann tatsächlich am Fuß des Vulkans und beim Lava-Store. Hier kann man Schmuck aus Lava kaufen. Huh? Und wann geht es auf den Pacaya? Gar nicht! Es gibt da keinen Weg und er ist auch viel zu hoch für diese kurze Zeit. Hätten wir uns mal besser erkundigt. Wir waren von dem Bericht der gefährlichsten Wanderwege zu geblendet und haben uns leider keine weiteren Gedanken gemacht. Dusselig. Die Wanderung war ganz nett und wer noch nie erkaltete Lava gesehen hat, findet sie bestimmt toll. Wir wären gern höher gekraxelt. Wer so etwas sucht, sollte sich eine Tour auf den Acantenago (ist sogar mit Übernachtung auf dem Vulkan möglich) gönnen. Das haben wir erst hinterher herausgefunden und für uns kam die Info leider zu spät. Ich konnte nach fast drei Stunden verbogenem Sitzen im Colectivo (Stau auf dem Rückweg) vor Rückenschmerzen kaum noch laufen, also kein Acatenago mehr für uns. Nach ein paar unterhaltsamen Tagen in Antigua stand uns der Sinn nach etwas Ruhe. Dazu sollte es an den nicht allzu weit entfernten Lago de Atitlán gehen. Ich habe meinem Mann gefragt, ob es nicht Sinn machen würde bis Sonntag zu warten, um den Ostertrubel zu meiden. Nein, mein Mann wollte gern schon am Samstag abreisen. Ok, wenn er es sich doch so sehr wünscht. Los ging es. Was wir nicht wussten: Der Ort Panajachel direkt am Atitlán-See verwandelt sich am Wochenende zur Partyhochburg und das ganze hoch zehn an Ostern. Als wir dort ankamen, mussten wir dann feststellen, dass die Hotels bei denen man sonst mit einem Wohnmobil gut stehen kann, Platz für dicke fette Bühnen hatten, aber nicht mehr für uns. Alles war knall voll. Die Straßen waren total verstopft und es strömten unaufhaltsam weitere Menschenmassen in den kleinen Ort und wir mussten in dem Trubel noch irgendwo unterkommen. Wir durften sogar eine Ehrenrunde von bestimmt 30 Kilometern drehen, da die extrem steile Schlangenlinien-Strecke von Sololá bis nach Panajachel von oben bis unten voll war und wir nirgends wenden konnten. Da kam Freude auf. Wir haben dann zum Glück im etwas abgelegenen Nature Reservat einen Parkplatz gefunden auf dem wir die Nacht verbringen durften. Am nächsten Tag der Spuk dann so gut wie vorbei. Aufräumen und Spuren beseitigen war das Motto der nächsten Tage. Wir konnten uns direkt an den See stellen, so wie wir uns gewünscht hatten, haben uns gesammelt und bereit gemacht für den langen Ritt zur mexikanischen Grenze. Danke Guatemala für die wunderschöne Zeit die wir hier verbringen durften. Wir kommen sehr gern noch mal wieder. Der aufmerksame Leser wird sich jetzt vielleicht wundern, wieso es wieder zurück nach Mexiko geht. Des Rätsels Lösung: Wir haben beschlossen den Sommer in Kanada zu verbringen. Es geht durch Mexiko und die USA langsam aber sicher zurück. In Mexiko werden wir diesmal durch das Landesinnere fahren. Das hatten wir bei unseren Surf-Eskapaden ziemlich links liegen lassen und es verdient mit ziemlicher Sicherheit unsere Aufmerksamkeit. Wie wir durch die USA fahren, tüfteln wir unterwegs noch aus. Der Traum geht weiter.

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