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Back in the US of A

22.04.-28.04.2015 _ Texas und New Mexico

Für die Einreise in die USA haben wir uns Del Rio (Texas) ausgesucht. Die Strecke dorthin ist schnell und größtenteils kostenlos. Del Rio liegt zudem in der Nähe des Big Bend National Parks. Ansonsten wussten wir nichts über diesen Grenzübergang und waren sehr gespannt, wie man uns diesmal behandeln würde. Wir haben kein Rückflugticket vorliegen, keinen Beweis über feste Jobs in Deutschland und würden gern weitere sechs Monate in unseren Pass eingetragen bekommen. Ob wir das wohl hinbekommen? Noch auf mexikanischer Seite haben wir alle unsere Peso-Reserven an den Mann gebracht und unsere Permit für Eddie abgegeben. Frohen Mutes ging es mit ca. zwei US Dollar in bar über die Brücke zur USA Einreise. Es gab keine Wartezeiten und so fuhren wir direkt durch zu dem ersten Grenzbeamten. Der begrüßte uns freudestrahlend auf Deutsch mit „Guten Tag!“. Das hört man nicht so oft von den Grenzern. Er schaute unser Auto, unsere Pässe und uns an. Er war super nett und hilfsbereit. Er erklärte uns wo wir Eddie abstellen sollen, damit er kontrolliert werden kann, und hat uns persönlich zu den Herrschaften gebracht die für uns zuständig waren. Ich hab die Typen, die Eddie auf den Kopf stellen wollten, gebeten ihre Schuhe abzuputzen bevor sie es sich bequem machen. Das fanden sie irgendwie lustig (war nicht meine Absicht) und vertrauenerweckend, so dass sie ihn nicht weiter durchsucht haben. Sie sind mit Spürhunden ums Auto gelaufen, aber das war es dann auch schon. Das hat ja schon mal gut geklappt. Fühlt sich immer gut an, auch wenn man wirklich nichts schmuggelt.
Zurück zu uns. Jetzt war es eine Frau die für uns zuständig war. Sie hat sich viel Hilfe von ihren Kollegen geholt und viel Rücksprache gehalten. Die erste Schwierigkeit bestand darin – anhand der Stempel in unseren Pässen – nachzuvollziehen, wann wir wo ein- und wieder ausgereist sind. Manchmal wurden wir zu Rate gezogen, meistens nicht. Dann durften wir vortreten. Die Antwort auf die Frage Rückflugticket und Jobnachweis kennt ihr. Sie jetzt auch. Was macht man, wenn man zeigen möchte, dass man es sich trotzdem leisten kann sechs Monate in den USA zu reisen? Man zeigt, dass man dafür genug Geld hat.
Ich kann verstehen, wenn es viele gibt, die sagen: Wenn ich das machen muss, dann fahre ich da gar nicht erst hin. Ich kann darauf nur antworten: Es ist jedem selbst überlassen. Wir möchten hier noch weitere Zeit verbringen und dann müssen wir bereit sein nach deren Spielregeln zu spielen. Es ist nicht die Politik der USA die uns hierher treibt. Es sind viele großartige Menschen und die atemberaubende Natur die wir hier sehr schätzen. Jeder wie er mag. Richtig?
Zurück zu den Formalitäten. Gern hätte ich der Frau online gezeigt, wie es finanziell um uns steht. Leider gab es an der Grenzstation kein Wifi und ihr Computer war auch nicht ans Internet angeschlossen. Ok, dann schauen wir mal, ob wir diesseits des Rio Grande noch Empfang mit unserer mexikanischen SIM-Karte haben. Ein mickriger Strich zeigt sich. Der Aufbau einer einzelnen (reinen Text)-Seite hat bestimmt 15 Minuten gedauert und es gab mehrere Seiten aufzurufen. Man hatte die Frau Geduld! Zwischenzeitlich haben wir wirklich gedacht, die schicken uns gleich wieder zurück nach Mexiko. Warum haben wir noch mal die Mexiko-Permit für Eddie bereits abgegeben? War das vielleicht etwas voreilig? Nein, war es zum Glück nicht. Die Frau hat uns einfach geglaubt. Es war kaum was los. Wir konnten ihr auch ein bisschen was online zeigen und ja, es hat sicherlich geholfen, dass wir Deutsche sind. Nach gut zwei Stunden hatten wir unsere Aufenthaltserlaubnis für sechs Monate vorliegen und mussten dafür pro Person sechs Dollar bezahlen. Die Kreditkarte funktionierte. Noch!

Als nächstes Stand ein Großeinkauf an und Bargeld musste her. Del Rio wir kommen. Der erste Geldautomat wurde gerade mit neuem Geld gefüllt. Ok kein Problem, wir nehmen den nächsten. Sehr gut, da vorn kommt schon ein Supermarkt. Einkaufswagen schnappen und los. Oh man, wir haben doch noch gar kein Geld. Bargeld abheben ist mit der DKB Kreditkarte weltweit kostenlos, bezahlen an der Kasse nicht. Also noch mal von vorn. Einkaufswagen stehen lassen und den nächsten Geldautomaten ausprobiert. Geht nicht. Nicht mit meiner Karte und nicht mit Holgers. Egal welchen Betrag wir versucht haben, es gab nichts zu holen. Nächster Automat. Gleiches Ergebnis. Ok, versuchen wir es mal direkt bei einer Bank. Wieder nichts. Mmmh, jetzt wird es langsam komisch. Vor allem wenn man nur noch ungefähr zwei Dollar auf Tasche hat. Was tun? Wo liegt das Problem? Unser Freund Ronald McDonald mit freiem Wifi war in der Ferne zu erblicken. Auf zu Ronald. Keine Kohle um reinzugehen, also auf dem Parkplatz online die Konten gecheckt. Sieht alles gut aus. Puh, wenigstens gab es keine Kontoplünderung. Mittlerweile war es Nachmittag in Texas, also mitten in der Nacht in Deutschland. Schauen wir mal, ob die DKB wirklich immer erreichbar ist. Nach einigen Verbindungs-Versuchen haben wir tatsächlich über Skype-Telefonie bei der DKB jemanden erreicht. Und uns wurde umgehend geholfen. Irgendetwas hat ausgelöst, dass unsere Karten aus Sicherheitsgründen blockiert wurden. Beide Karten wurden noch während des Telefonates freigeschaltet und alles war gut. Danke DKB!

Wir haben im Nachhinein drei Kreuze gemacht, dass beim Bezahlen an der Grenze alles noch funktioniert hat. Was hätten wir sagen sollen? Wir haben Geld. Wirklich! Nur die Karten geben nichts her.
Als uns einfiel, dass wir noch etwas Geld in Traveler-Schecks dabei haben, war uns auch wieder bewusst, warum die tatsächlich noch Sinn machen. Jetzt stand dem notwendigen Großeinkauf wirklich nichts mehr im Wege.

Spät ist es geworden und unser Plan es noch bis in den Big Bend National Park zu schaffen wurde spontan verschoben. Nach dem ganzen Theater haben wir uns zur Erholung in die nahegelegene Amistad National Recreation Area verkrümelt.
Es gibt vieles was wir an Mexiko vermissen werden!
Die ganzen State- und National Parks, Recreation Areas, National Forests etc. und die Möglichkeit überall in der Natur zu campen, ist etwas auf das wir uns in den USA sehr freuen.

Fahren auf amerikanischen Straßen ohne die lästigen Topes (Geschwindigkeitsreduzierbodenwellen) ist ein Genuss. Gemütlich rollen wir zum Big Bend National Park. Frühling in Texas. Wildblumen überall und ein herrlicher Campingplatz erwarten uns. Für den nächsten Tag ist etwas Bewegung und somit eine längere Wanderung angesagt. Endlich mal wieder. Herrlich. Und dann auf dem Rückweg direkt neben dem Trail das Highlight! Eine Rattlesnake. Diesmal hatten wir auch eine Kamera dabei und konnten Beweisfotos schießen.

Nächstes Ziel Carlsbad Caverns in New Mexico. Riesige Höhlen. Stalagmiten, Stalaktiten und der ganze Kram in XXL. Der aufmerksame Leser weiß, Höhlen sind nicht so unser Ding. Angelockt wurden wir dennoch von den Millionen von Fledermäusen, die jeden Abend zum Insekten vertilgen ausfliegen. Ein riesiges Spektakel welches wir gern sehen wollten. Doof nur, wenn die erst ab Ende Mai wieder fliegen. Ja, die haben hier feste Flugzeiten. Dann waren wir auch für den natürlichen Höhlenabstieg ungefähr 15 Minuten zu spät und konnten „nur“ mit dem Fahrstuhl (!) in den Big Roam runterdüsen. Höhlenfans sind wir nun immer noch nicht, trotzdem ist so ein riesiges Höhlensystem schon beeindruckend.
Gelernt haben wir, dass es eine verheerende Fledermaus-Krankheit (White-Nose-Syndrom) gibt, die sich von Europa nach Nordamerika ausbreitet und Fledermäuse im Winterschlaf tötet. Dahinter steckt ein Pilz, der mittlerweile in Nordamerika riesige Populationen von Fledermäusen bedroht. Nicht gut, wir mögen Fledermäuse. Also, niemals dieselben Klamotten und Equipment mit in die nordamerikanischen Höhlen nehmen, mit denen man vorher in Europas Höhlen unterwegs war.

Um zum White Sands National Monument zu gelangen überquerten wir ein paar Berge und wurden hoch oben mit Schneeregen überrascht. Igitt, was ist das denn?! Das passt jetzt ja gar nicht. Holger hat noch nicht mal Schuhe an. Schnell wieder runter fahren, wo es wärmer ist.

White Sands ist zum größten Teil eine Air Force Base und ein Missile Testgelände. Etwas unheimlich. Ein kleiner Teil ist abgetrennt für Otto Normalverbraucher und uns. Von weitem sieht das Gelände total unspektakulär und unscheinbar aus, aber gerade das macht es so abgefahren. Erst ist alles etwas trist und ganz plötzlich fährt man durch schneeweißen Sand. Surreal. Der Sand ist sehr fest und riecht ganz komisch. Warum? Weil es Gips ist. Gips kommt selten als Sand vor, da er wasserlöslich ist. Echt abgefahren und wieder was gelernt.

Nächster Halt: Albuquerque. Die erste Großstadt mit großen und vielen Läden seit? Ewig. Viele Besorgungen und Erledigungen gab es für uns zu tätigen.
Gekrönt wurde der Aufenthalt mit einem Wiedersehen mit unseren Freunden Brittany, Autum, Brian und Darin.
Thank you guys for this wonderful evening. Next time you won’t get rid of us so fast! 😉 When are you coming to Germany?

Jetzt stehen wir an einem Scheitelpunkt. Wir möchten unsere Freunde Cathy und Spencer in Colorado besuchen. Noch sind sie allerdings nicht zu Hause und wir müssen uns ein wenig die Zeit vertreiben, ohne uns allzu weit zu entfernen. Weit ist in den USA ein dehnbarer Begriff. Bummeln wir hier in der Gegend noch etwas rum oder fahren wir noch mal eben kurz nach Utah? Mehr dazu im nächsten Bericht.

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